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Stellt euch vor, ihr steht im Geräteschopf eines Balkons und seht ein quadratisches Stahlrohr, das über rund einem Meter länge an der Kante aufgerissen ist. Genau das ist bei meiner Liegenschaften passiert. Die Ursache? Wasser wurde entlang der Dilatationsfuge nach hinten gezogen und gelangte von oben in die Stütze. Durch eine fehlende Entwässerung hat sich im Inneren der Stütze über Jahre Wasser angesammelt. Im Winter fror dieses ein, dehnte sich aus und hat das massive Stahlprofil schlichtweg gesprengt! Die Tragfähigkeit war massiv eingeschränkt – und das über vier Stockwerke hinweg.
Der erste Metallbauer und ein Statiker waren sich schnell einig: Diese Stützen müssen komplett ersetzt werden. Weil sie aber einbetoniert und Teil der Armierung sind, hiess das: Balkone aufwendig abstützen, Holzböden rausreissen, Gerüstturm stellen bis ins 3. Obergeschoss. Die reine Metallbau-Offerte lag zwar bei rund 20’000 Franken, aber mit allen Nebengewerken blickten wir plötzlich auf Gesamtkosten von über 50’000 Franken! Und das für knapp eine Handvoll defekter Stützen, bei rund 40 Stück.
Irgendwie kann das doch nicht die Endlösung sein oder? Entsprechend habe ich mich weiter umgeschaut. Nach einigen Absagen habe ich ein anderes, spezialisiertes Ingenieurbüro kontaktiert. Der Experte kam vor Ort und hatte einen völlig anderen, genialen Ansatz: Warum die Stütze ersetzen, wenn man sie so schweissen kann, dass die Tragfähigkeit wieder gegeben war?
Seine Berechnung zeigte: Die Stützen sind derart massiv ausgelegt, dass die statische Ausnutzung bei gerade einmal 37% liegt. Es würde also auch ein U-Profil reichen, man könnte die eine Wand komplett rausflexen. Wenn das nun – und dazu braucht es einfach jemanden, welcher richtig gut schweissen kann und was was er/sie tut – korrekt geschweisst wird, wird die Tragfähigkeit absolut ausreichend gegeben sein.Gesagt, getan. Zusammen mit einem erfahrenen Metallbauer wurde die Sanierung an einem einzigen Tag durchgeführt. Und vom Ingenieur kriegen wir nun auch die Bestätigung, dass die Tragfähigkeit langfristig gesichert ist.
Das Resultat ist der Wahnsinn: Statt über 50’000 Franken für einen Totalersatz belief sich die Endabrechnung auf knapp Fr. 3’000.00.
Und genau hier liegt der springende Punkt: Warum kam es überhaupt zu dieser ersten Monster-Offerte von über 50’000 Franken? Weil sich heute fast niemand mehr aus dem Fenster lehnen will. Niemand will mehr Verantwortung übernehmen, weil jeder Angst hat, für irgendetwas haftbar gemacht zu werden. Da wird lieber der teure Totalersatz verplant, um ja auf der sicheren Seite zu sein.
Dranbleiben und kreativ sein lohnt sich im Stockwerkeigentum also mehr denn je.
Die eigentliche Herausforderung heute ist es, die richtigen Leute zu finden – Experten, die noch mit Augenmass, gesundem Menschenverstand und einer vernünftigen Portion Selbstvertrauen unterwegs sind. Denn genau diese Menschen schützen am Ende eure Substanz und euer Portemonnaie. -
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