In der Welt des Stockwerkeigentums gibt es einen Satz, der jeden Bewirtschafter erschaudern lässt: „Es geht mir ums Prinzip!“ Doch was passiert, wenn ein Prinzip die Gemeinschaft sinnlos Geld kostet? Ein kleiner Blick hinter die Kulissen.
Noch vor meiner Zeit für dieser Gemeinschaft sagte ein Fachmann mündlich: „Dieses Abflussrohr muss freigelegt werden, sonst fliesst es nicht richtig und kann auch nicht gereinigt werden.“ Die Versammlung glaubte es und beschloss die Sanierung. Kostenpunkt: Rund 4’000 Franken.
Heute wissen wir es besser. Zwei Fachfirmen haben schriftlich bestätigt: Die Reinigung ist absolut problemlos möglich. Auch der Architekt sagt: Die feuchten Stellen am Boden haben nichts mit diesem Rohr zu tun, was ebenfalls vermutet wurde. Die Massnahme ist also völlig unnötig. 4’000 Franken für… nichts?
Ein Eigentümer hat sich jedoch so in die alte Aussage verbissen, dass er ohne Gesichtsverlust nicht mehr rauskommt. Anstatt die neuen Fakten zu akzeptieren, wird die Verwaltung angegriffen: „Ein Beschluss ist ein Beschluss – setzt ihn gefälligst um!“ Es geht nicht mehr um das Rohr, es geht um die reine Macht der Durchsetzung.
Klar, ich hätte den Auftrag einfach auslösen können. Das wäre der bequemere Weg für mich gewesen. Aber als Stockwerkexperte ist es mein Job, das Geld der Gemeinschaft zu schützen. Warum 4’000 Franken aus dem Fenster werfen, nur damit jemand Recht behält?
Wir gehen jetzt mit einer dreiseitigen Stellungnahme mit Aussagen von Fachpersonen in die nächste Versammlung, um diesen Beschluss offiziell zu korrigieren. Ja, als Bewirtschafter braucht man oft breite Schultern und eine ordentliche Portion Mut, um gegen den Strom zu schwimmen. Aber am Ende zählt das beste Ergebnis für alle – nicht das Prinzip von einem Einzelnen.